Sollte man einen Seitensprung verzeihen?

Auch wenn sogenannte „offene“ Beziehungen für manche eine willkommene Alternative zur Monogamie darstellen, steht bei den meisten Paaren in unserer Kultur die Vorstellung der Exklusivität und gegenseitigen Treue im Vordergrund. Ob homo- oder heterosexuell, verheiratet oder nicht – ein Seitensprung ist oft tödlich für die Liebe, da er einen radikalen Vertrauensbruch bedeutet und dem Selbstwertgefühl des Betrogenen einen schweren Schlag versetzt. Dennoch stellen sich die meisten Betroffenen irgendwann die Frage, ob es sinnvoll ist, einen Seitensprung zu verzeihen, und sei es nur um des eigenen Seelenfriedens willen.

Wie ist der „Ausrutscher“ passiert?
Auch wenn es schmerzt: Nur wenn die genauen Umstände des Seitensprungs offen angesprochen werden, kann gemeinsame Ursachenforschung betrieben werden, an deren Ende vielleicht das Verzeihen steht. Das Alter der Beteiligten, die Länge der Beziehung oder Ehe und die Unterscheidung zwischen einem One-Night-Stand und einer längeren, auch emotional involvierten Affäre entscheiden oft über den Fortbestand der Partnerschaft. Außer Frage steht meistens, dass mehrere Faktoren dazu führen, dass jemand vom „Pfad der Tugend“ abkommt. Wenn es in der langjährigen Beziehung schon kriselt, ist die Versuchung oft groß, anderweitig nach Trost, Anerkennung oder einem Abenteuer zu suchen. Paarberater oder Therapeuten können, wenn beide Parteien entschlossen sind, dabei helfen, dass Treue wieder Spaß macht.

Wie reagiert der Partner auf die Konfrontation?
Eine Chance auf Vergebung hat vor allem, wer seinen Fehltritt offen zugibt, bereit ist, auch die zugrunde liegenden Beziehungsprobleme zu beleuchten und vor allem nicht jede Schuld von sich weist. Die beliebte Taktik, den Alkohol oder die routinierten Verführungskünste des oder der „Anderen“ als alleinige Auslöser hinzustellen, zeugt von mangelnder Einsicht: Kaum jemand fällt schließlich rein zufällig in eine erotische Umarmung. Auch das Abblocken jeder Kommunikation oder die Methode, nur die Faktoren zuzugeben, die zweifelsfrei nachzuweisen sind, lassen die Rettung der Partnerschaft in weite Ferne rücken. Der Betrogene darf zudem gerne Bedingungen und Ultimaten festlegen sowie Beweise tätiger Reue fordern. Wenn sich der Übeltäter beispielsweise weigert, seine feuchtfröhlichen Partynächte aufzugeben oder den Kontakt zu „Mitwissern“ abzubrechen, besteht wohl generell kein Bedürfnis nach Fortführung der Partnerschaft.

Die Möglichkeit eines Neuanfangs
Einen Seitensprung zu verzeihen, bedeutet nicht zwangsläufig, dass alles wieder so wird wie vorher.  Wut und Verzweiflung stellen normale Reaktionen dar und auch das Selbstbewusstsein leidet, wenn das Gegenüber offensichtlich andere Frauen oder Männer so viel attraktiver findet. Auf Dauer beeinträchtigen derlei Gefühlswallungen, Grübeln und das Festhalten an der Vergangenheit jedoch die Lebensqualität und verbrauchen Energie und Kraft, die besser in positive Erlebnisse investiert werden. Daher ist es schon aus psychologischen Gründen empfehlenswert, dieses Ziel anzustreben, um mit oder ohne Partner einen Neuanfang wagen zu können. Einen Seitensprung zu verzeihen, kommt also letzten Endes der betrogenen Partei eher zugute als der untreuen Hälfte, stellt aber oft einen langwierigen und mühsamen Prozess dar.

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